Linie Aquavit meets Japan

davUnter dem Titel „LINIE THE JOURNEY“ hat der norwegische Aquavit-Hersteller Linie wieder einen internationalen Cocktail-Wettbewerb ausgeschrieben. Neben Bartendern aus Norwegen werden auch Kollegen aus den skandinavischen Nachbarländern Schweden, Finnland und Dänemark sowie aus Deutschland, Österreich und die Schweiz mit ihren Kreationen gegeneinander antreten. Wie im vergangenen Jahr soll auch diesmal ein Land, das von den Linie-Schiffen angesteuert wird, als Inspiration für den Drink ausgewählt werden – Norwegen natürlich, aber auch Japan, USA, Panama, Singapur oder Neuseeland.

Für Deutschland tritt u. a. Nils Lutterbach aus Hannover an. Der Bartender aus der Lucky 7-Bar in der Niedersächsischen Spielbank am Raschplatz hat sich für Japan entschieden, weil das Land der aufgehenden Sonne (wie Linie Aquavit) bekannt ist für seinen beeindruckenden Mix aus Moderne und Tradition. Seinen Drink hat er dann folgerichtig auch „Rising Sun“ genannt.

Als Motiv für „Rising Sun“ dient Nils Lutterbach die traditionelle Teezeremonie, die klaren Regeln folgt und die er auf die Zutaten seines Drinks übertragen hat. Linie Aquavit besitzt durch seine dominanten Noten von Kümmel, Anis und Vanille eine gewisse Schwere. Lutterbachs Idee ist, diesem klassischen und recht intensiven Digestif mit erfrischenden Aromen eine moderne und zeitgemäße Leichtigkeit zu geben. Dazu hat er dem norwegischen Linie Aquavit mit dem japanischen Nikka Coffey Gin zunächst eine weitere Spirituose an die Seite gestellt. Die Besonderheit dieses Gins: er wird in der Nikka Whisky Destille auf der nordjapanischen Insel Hokkaido im Coffey Still Verfahren hergestellt. Das bedeutet, dass er nicht nur einmal, sondern mehrere Male in einem kontinuierlichen Verfahren destilliert wird. Der Duft und die Aromen der Yuzu, einer japanischen Zitrusfrucht ähnlich der Zitrone, sind bei diesem Gin besonders intensiv, setzen einen spritzigen Kontrapunkt zur eher würzigen Note des Linie Aquavit und stehen symbolisch für die japanischen Gärten, in denen die Teezeremonie abgehalten wird.

Als Quelle für Süße und Säure hat Nils Lutterbach einen Umeshu-Likör gewählt, der aus der in Japan beheimateten Pflaumenart Ume gewonnen und mit Honig und Gelee Royale verfeinert wird. Die Ume steht für die vor der Teezeremonie gereichten Speisen. Um seinem Drink ein wenig mehr Körper und Tiefe zu geben, hat er seiner Komposition noch einen Spritzer Plum Bitters hinzugefügt, der wunderbar mit der feinen Süße der Ume harmoniert.

Alle Zutaten müssen ohne Eis verrührt werden, denn der Drink verträgt keine Verwässerung. Deshalb sollte die Flüssigkeit auf eisgekühltem Granit abgeseiht werden, der durch seine hohe Dichtheit ideal geeignet ist, Wärme zu entziehen, ohne zu viel Flüssigkeit aufzunehmen. In japanischen Gärten können Steine übrigens für Götter stehen, die häufig als Schutzpatrone angesehen werden. Als Garnitur dient Lutterbach ein schlanker Halm Zitronengras, dessen Aromen beim Trinken in die Nase steigen und so die Frische des Drinks unterstützen. Außerdem liegt er auf dem Gefäß symbolisch für den Äquator, den die Schiffe mit den Fässern voller Linie Aquavit noch heute zwei Mal überqueren und durch diese Reise um die Welt zu der einzigartigen Spirituose machen, die rein zufällig vor über 200 Jahren ihren glücklichen Anfang genommen hatte.

Für Nils Lutterbach ist der Begriff „Teezeremonie“ eigentlich falsch gewählt, da die korrekte Übersetzung eher „Teeweg“ wäre. Und genau wie bei Linie Aquavit ist auch bei seinem Cocktail „Rising Sun“ der Weg das Ziel.

„Rising Sun“ von Nils Lutterbach
Linie Aquavit
Nikka Coffey Gin
Ume Likör
Dash Pflaumenbitter
auf eiskalten Whisky-Steinen in einer formschönen Teetasse servieren

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Nicht nur für Hotelgäste: Hannovers „mini bar“

minibar in Hannovervon Nils Lutterbach

Wer auf die Bars in Hannover schaut, kann die „mini bar“ absolut nicht übersehen.
Die Hotelbar des CityHotels am Thielenplatz nicht weit entfernt vom Hauptbahnhof macht vieles gut und eines richtig: wenn schon alles geschlossen hat und Du dich
nach einem Drink verzehrst, solltest du dich in Richtung „mini bar“ begeben, denn
die kleine, aber feine Bar hat sieben Tage die Woche rund um die Uhr geöffnet!
Zu ihren Gästen zählen neben Hotelgästen vor allem Nachtschwärmer und viele Gastronomen der Stadt, die dort ihren Feierabenddrink stilvoll genießen.

Das Ambiente könnte man als kitschig bezeichnen – oder als kultig. Ich persönlich habe mich im heute wieder modernen 70er-Jahre-Flair sehr wohl und behaglich gefühlt.
Die unaufdringliche, meist elektronische Musik lädt dazu ein, sich mit seinen Tisch-
oder Thekennachbarn zu unterhalten. Was ja nicht ganz unwesentlich ist für eine Bar. Und für diese Plaudereien hat man auch viel Zeit. Genau hier liegt der Knackpunkt: selbst bei einer eher überschaubaren Anzahl von durstigen Gästen lassen die Drinks doch erstaunlich lang auf sich warten.

Diese unnötige Wartezeit lässt sich verkürzen, wenn man direkt an der Bar bestellt oder noch besser direkt dort Platz nimmt. Die Karte ist für die kleine Hotelbar alles andere als mini und hat mich letztlich zu einem Whisky Sour verführt. Der Drink war gut, aber keine wahre Offenbarung: ich fand ihn für einen Sour ein bisschen zu süß. Unterm Strich jedoch lohnt sich ein Besuch – allein schon wegen der interessanten Menschen, auf die man dort Tag für Tag trifft. Abhängig von der Tagesform indes ist leider die Qualität der Drinks und des Service. Erfreulicherweise hat die Woche ja sieben Tage.

mini bar
Thielenplatz 2
30159 Hannover
Tel.: 0511-32 76 91
www.smartcityhotel-thielenplatz.de
Geöffnet: täglich rund um die Uhr

„World Class“ in Hannovers „LieblingsBar“

World Class in Hannovers LieblingsBarvon Nils Lutterbach

Jedes Jahr sucht der Spirituosenhersteller Diageo mit seinem „World Class“-Wettbewerb nach den besten Bartendern der Welt. Dieser Wettbewerb, der 2018 sein zehnjähriges Bestehen feiert, gilt als einer der renommiertesten und am besten organisierten in unserer Branche. Doch neben dem Wettkampf steht auch die Schulung auf dem Programm,
so wie beim Workshop am 9. Januar 2018 in Hannovers „LieblingsBar“ am Marktplatz
im Stadtteil Herrenhausen. Die so genannte „World Class Roadshow“ gastiert
in diesem Jahr in 15 Bars in 15 Städten in Deutschland und Österreich
– und Hannover war an diesem Tag zum ersten Mal mit dabei!

Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Resourceful Bartender“ und „Culinary Techniques“ und hat sich zum Ziel gesetzt, alternative und neue Methoden am Barbrett zu zeigen. Der deutsche World Class Gewinner 2017 Sven Goller und der österreichische Champion Marcus Philipp präsentierten zunächst ihren Drink, mit dem sie im Worldfinal in Mexiko 2017 angetreten sind. Sven mixte uns seinen „Bees and Trees“, der durch die deutsche Streuobstwiese inspiriert ist und es tatsächlich schafft, den gesamten Apfel von der Schale über den Saft bis zum Kern zu verwerten. Im Grunde genommen ist es ein Sour mit Whisky als Basis, der Apfelessig als Säure verwendet und geröstete Apfelkerne zur Aromagewinnung nutzt. Mit seinem ungewöhnlichen und köstlich frischen Drink will Sven uns zum schonungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen motivieren.

Marcus hingegen präsentierte uns seine Kreation „Frida y Diego“, die eine Hommage an das mexikanische Künstlerehepaar Frida Kahlo und Diego Rivera ist. Besonders spannend bei diesem Drink war der Karamellsirup, der mit Chipotle (einer mexikanischen Form von geräucherten Chilischoten) angereichert war – ganz im Stil von Frida Kahlos Chipotle-Sauce, die legendär gewesen sein soll. Marcus’ Drink war ebenfalls auf Whiskybasis, recht komplex, rauchig und mit einer leichten salzigen Schärfe.

Nachdem die beiden ihr Können unter Beweis gestellt haben, weihten sie die rund 20 Teilnehmer des Workshops in die Geheimnisse ihrer Zutaten ein. Marcus zeigte uns, wie er seinen Karamellsirup macht, und Sven brachte uns die Essigherstellung bei. Im Anschluss stellte uns der Hamburger Bartender und Mitorganisator der World Class Roadshow, Bastian Drews, seinen etwas zweckentfremdeten Vakuum-Kaffeebereiter vor, den er jetzt zum Herstellen von heißen Drinks wie dem Klassiker „Blue Blazer“ nutzt.

World Class in Hannovers LieblingsBar 2

Die World Class-Jury in Hannovers LieblingsBar (v.l.n.r.): Sven Goller, Marcus Phillip, Bastian Drews und Sven Riebel

Nach dem Workshop wurden alle Teilnehmer zur so genannten „Blackbox-Challenge“ eingeladen. Hier bekam jeder eine zufällig ausgeloste Tüte mit drei Zutaten und zehn Minuten Zeit, mit mindestens einer dieser Zutaten und einer Spirituose aus dem Diageo-Sortiment einen eigenen Drink zu kreieren. Anschließend bekamen wir weitere sieben Minuten, um unsere „Entwürfe“ vor den kritischen Augen den Juroren zuzubereiten und zu präsentieren. Die Juroren Sven, Marcus, Bastian und der Frankfurter Barbesitzer Sven Riebel bewerteten dabei die Fachkenntnisse, das persönliche Auftreten, das technische Können sowie die jeweilige Story zum Drink, der schließlich nach Aussehen, Geschmack und Ausgewogenheit beurteilt wurde. Am Ende konnte sich der Kölner Mixologe Guillermo Delgado Barrantes mit seinem Cocktail „Don Camillo“, bestehend aus Tequeray No. 10 Gin, Belsazar Honig, Zitronensaft, Honig, Basilikum und Cherrytomaten durchsetzen und damit einen Platz im Semifinale des deutschen World Class-Wettbewerb gewinnen.

Die World Class Roadshow war ein spannender Auftakt in das Jahr 2018. Wer wollte, konnte viel entdecken, Neues lernen und vielleicht auch Bewährtes bestätigt bekommen. Die „World Class“ bezeichnet sich gerne als Familie, und so hat es sich auch zeitweise angefühlt. Es war schön, mit so vielen Menschen mit derselben Leidenschaft in einem Raum zu sein und den Tag gemeinsam zu erleben.

Niemand macht Jazz

Niemandsland Bar 1

von Nils Lutterbach

Die „Niemandsland Bar“ am Weidendamm 8 in Hannovers Nordstadt präsentiert sich als echte Jazz-Bar und damit als die erste ihrer Art in Hannover. Torben Paradiek und Sebastian Otto (die beiden Betreiber der Bar, die nur donnerstags zwischen 19 und 23 Uhr geöffnet ist) veranstalten hier Abende mit Live-Musik und Gin-Drinks.

Das „Niemandsland“ erreiche ich durch eine schwere Glastür und der dahinterliegenden Treppe, deren Lauf gleichzeitig als Galerie genutzt wird und einige Sitzmöglichkeiten bietet. Unten befinde ich mich in einem Raum, der bedeutend größer ist, als ich erwartet hatte und in dem vor allem Gäste so um die Ende Zwanzig auf Mobiliar sitzen, das größtenteils älter als sie zu sein scheint. Leider schaffen es die Sitzgruppen nicht, den großen Raum zu füllen, der übrigens an Samstagen als Hip Hop-Club genutzt wird. Dadurch gelingt es der „Niemandsland Bar“ nicht ganz, genau die intime Atmosphäre zu schaffen, die ich mir gerade für eine Jazz-Bar gewünscht hätte.

Die sehr überschaubare und damit durchaus charmante Karte bietet außer Whisky Sours, Wein, Bier und Mandarinen-Geist hauptsächlich Gin-Drinks, selbstverständlich gemixt mit dem blumigen Niemand Gin aus der eigenen Destille. Die Preise sind mit durchschnittlich 10 Euro zwar stattlich, aber bezahlbar. Zwischen acht Klassikern nebst Tagesangebot, das in meinem Fall mit dem „Aviation“ ebenfalls eine Größe der Gin-Drinks darstellt, muss ich mich entscheiden.

Niemandsland Bar 2

Zu meinem Glück hat der Bartender meine laut geäußerten Überlegungen gehört, und meine Lust auf einen Sour wurde in Form eines „Gin Fizz“ gestillt – obwohl gerade der nicht auf der Karte zu finden ist. Selbst im Zusammenspiel mit dem frischen Zitronensaft ließen sich die floralen Aromen des Niemand Gin bei diesem Klassiker wunderbar herausschmecken. Die Drinks werden ohne viel Chi Chi serviert – und das haben sie auch gar nicht nötig, denn man merkt den Menschen hinter der Bar an, dass sie mögen, was sie tun.

Als das Trio „Maramao“ die Bühne betritt, füllt sich der Raum mit den wunderbaren Klängen ihrer italienischen Songs im Swingstil der 40er und 50er Jahre. Es wird schlagartig ruhiger, und das Publikum genießt offenkundig die coole Musik und die entspannte Atmosphäre. Wer also gerne einen guten Drink zu fabelhafter Musik trinken möchte, sollte unbedingt einmal in die „Niemandsland Bar“ reinschauen.

Niemandsland Bar
Weidendamm 8
30167 Hannover
Tel.: 0511-64 21 41 22
www.niemandsland-bar.de
Geöffnet: jeden Donnerstag 19-23 Uhr

Deutsche Cocktailmeisterschaft 2017

von Alexander Meißner

Die 33. Deutsche Cocktailmeisterschaft (DCM) der Deutschen Barkeeper Union (DBU) fand in diesem Jahr im Schloss Hotel Fleesensee in Mecklenburg-Vorpommern statt. An der dreitägigen Meisterschaft vom 10. bis 12. September 2017 habe auch ich teilgenommen und möchte hier meine Eindrücke kurz schildern.

Nach der Ankunft und einem gemeinsamen Dinner am Sonntagabend begann der Montag um 10 Uhr mit den ersten Prüfungen und Workshops, die in den darauffolgenden drei Tagen angeboten wurden. Bei den vier verschiedenen Workshops ging es um neue Barkonzepte und fast vergessene Arbeitstechniken (etwa die Herstellung von Sirups oder Fermentation) sowie elegantes Arbeiten an der Bar (Workflair) und wie man gesund und leistungsfähig hinter und vor der Bar bleibt.

Der Dienstag war für die 24 Teilnehmer der DCM 2017 der Tag der Prüfungen.
Die erste Aufgabe für mich nannte sich „Speed & Taste“: dabei mussten unter Zeitdruck vier verschiedene Cocktails gemixt und ein Bier gezapft werden.
Meine zweite Prüfung war die Präsentation meines Cocktails „Spicy Berlin“, mit dem ich mich für die DCM qualifiziert habe. Dafür bekam ich 15 Minuten Zeit zur Vorbereitung, danach musste ich in einem gesonderten Raum an einer kleinen Bar der vierköpfigen Jury meinen Cocktail präsentieren.

Am Abend wurden dann die vier Finalisten bekannt gegeben, zu denen ich leider nicht gehörte: mit meinem „Spicy Berlin“ (ein würzig-frischer Sour aus Berliner Gilka Kümmellikör, roter Peperoni, frischem Limettensaft, Zuckersirup und ein paar Chillifäden auf den Eiswürfeln zum Aufpeppen des Drinks, serviert mit einer dünnen Scheibe geräuchertem Katenschinken als origineller Abschluss in Harmonie zur besonderen Würze des Cocktails) konnte ich aber einen respektablen zwölften Platz belegen.

Beim Finale in einem Gebäude etwas abseits des Hotels präsentierten Paul Thompson, Martin Kramer und Katja Schirmer auf einer großen Bühne abermals ihre Cocktails vor einer Jury und allen Besuchern der DCM. Am Ende stand Paul Thompson aus der DBU-Sektion Nordrhein-Westfalen mit seinem eigenwilligen Cocktail „Don’t call it Buttermilk“ (schmeckt nach Buttermilch, ohne einen Tropfen davon zu beinhalten) auf dem Siegerpodest. Platz zwei belegte Martin Kramer aus der Lutherstadt Wittenberg, gefolgt von Katja Schirmer aus dem sächsischen Markkleeberg auf Platz drei.

Abschließend kann ich sagen, dass ich nie das Gefühl hatte, bei den Prüfungen unter Druck zu stehen; es fühlte sich eher an wie ein Zusammenkommen mit Gleichgesinnten. Es ist auch deutlich zu spüren gewesen, dass in der DBU sich Einiges tut: künftig sollen etwa auch Workshops außerhalb der DCM und in Verbindung mit Sanktionssitzungen angeboten werden. Man darf also gespannt sein, was die DCM 2018 bringen wird.

Verdammt anziehend: „Original Gravity“ in San José/Kalifornien

dsc_1127von Matthias Kothe

Ich bin mal wieder für ein paar Monate bei meiner Freundin Irene in Kalifornien und habe diesmal einen Tipp für alle Craft Beer-Fans, die gern auch eine ordentliche Bratwurst dazu mögen. Wenn ihr nach San Francisco reist und schon einen Abstecher zum Fisherman’s Wharf und nach Alcatraz, zur Golden Gate Bridge und nach Treasure Island gemacht habt, Lombard Street und Columbus Avenue auf und ab spaziert seid, euch durch die Edel-Shops rund um den Union Square und die Kitschläden in Chinatown geshoppt und danach den einen und anderen Drink in einer der vielen Downtown-Bars getrunken habt, dann wird’s langsam Zeit für einen Ausflug auf die Penisula.

Vergesst Mietwagen, fahrt mit dem Zug! Lauft die paar Blocks vom Union Square südlich zum Hauptbahnhof auf der 4th Street/Ecke King Street, löst ein 4 Zonen-Ticket für den CalTrain (Tagespass für 19,50$) und tuckert gemütlich von Örtchen zu Örtchen auf der Halbinsel am Pazifik in Richtung Süden bis San José (Station Diridon).

Die zweitgrößte Stadt an der San Francisco Bay liegt im Herzen des Silicon Valley, gleich um die Ecke vom neuen Apple Hauptquartier in Cupertino. Die Universitäts-Metropole im sonnigen Tal, in dem es immer um einige Grad wärmer ist als in San Francisco, macht einen überschaubaren Eindruck, das Zentrum lässt sich gut zu Fuß erkunden, die breiten Straßen sind aufgeräumt und gesäumt von vielen Blumenbänken und Bäumen, und rund um den Campus gibt es viele Bars, Kneipen und Restaurants. Einer der besten Nightlife-Spots in Downtown San José ist das Original Gravity auf der 1st Street – ein lässiger Pub mit großer Craft Beer-Auswahl und originellen Bratwürsten.

dsc_1140An der Bar, an der Bar, was trinken die da?

dsc_1144dsc_1150Die täglich wechselnden „Bier-Menüs“ über den beiden Bartresen vorne und im hinteren Teil des Pubs listen 35 verschiedene Craft Biere vom Faß und aus der Flasche; die meisten davon liefern kleine Handwerksbrauereien in der Nachbarschaft sowie in Nord- und Südkalifornien, der Rest kommt aus anderen US-Staaten und aus Übersee.

dsc_1139dsc_1149Besonders speziell sind die „flavoured beers“ wie etwa das Imperial Stout „Cocoanut“
aus Berkely mit Kakao- und Kokosnussgeschmack,
die Berliner Weisse aus San Diego „Cucumberliner“ mit Gurke und
das Imperial Stout „Selassie“ aus Schweden mit Aromen von Kaffee und Vanille.

dsc_1138Passend dazu gibt’s am Grill gleich neben der Bar eine ebenfalls üppige Auswahl von ähnlich verrückten Bratwurst-Kreationen. Unter den rund 20 Sorten (aus eigener Herstellung und von lokalen Metzgern; 7-8$ incl. zwei Toppings nach Wahl: Sauerkraut und Grilled Onions etwa oder Candied Jalapeños und Bell Peppers oder einfach nur Pickles) gibt es neben einer schlichten Beerwurst aus grobem Schweinefleisch, einer texanischen Bratwurst aus magerem Kalbs- und Schweinefleisch mit Muskatnuss und einer italienischen Salsiccia auch fruchtige Varianten wie „Sweet Apricot“ mit Aprikosenstücken und Crushed Red Chili Peppers oder „Hawaiian“ mit Ananas und Weißwein sowie scharfe Typen wie die „Spicy Chicken“ mit Hühnchen, Chili-Flocken und schwarzem Pfeffer, „Cheesy Andouille“ mit Cajun Spices und Cheddar oder die „Vegan Mexican Chipotle“ mit Chipotle Chili, Knoblauch und süßen Zwiebeln.

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Irene und ich haben uns zum himbeerigen „Rubaeus“ aus Grand Rapids/Michigan und einem süffigen „801 Pilsner“ aus Salt Lake City/Utah für eine „Spicy Chicken“-Bratwurst mit kandierten Jalapeños und roter Paprika und eine Beerwurst mit Sauerkraut und Grillzwiebeln entschieden. Eine – sagen wir mal – interessante Kombination, bei der nur das weiche Hotdog-Brötchen im Grunde total überflüssig war. Aber wir sind in den USA,
und so isst man hier nun mal Bratwurst. Also: Guten Appetit und Prost!

Original Gravity
Public House
66 South 1st Street
San José, CA 95113
www.originalgravitypub.com
Geöffnet: So – Mi 11:30-22:30 Uhr, Do-Sa 11:30 Uhr bis Mitternacht

 

Die 10. Juniorakademie der Deutschen Barkeeper Union e.V.

10. Juniorakademie der Deutschen Barkeeper Union e.V. 1von Jannik Preusche

 Vom 20. bis 24. November 2016 fand in Ludwigs Restaurant und Bar in Friedrichsdorf nördlich von Frankfurt am Main die 10. Juniorakademie der Deutschen Barkeeper Union e.V. (DBU) mit 7 Teilnehmern statt. Teilnahmeberechtigt an diesem unabhängigen Wettbewerb sind alle DBU-Mitglieder, die jünger als 30 Jahre sind. Jede DBU-Sektion
darf einen ihrer besten Barkeeper zu diesem fünftägigen Event anmelden.
Die Anforderungen an die Teilnehmer sind hoch. Zunächst muss jeder Teilnehmer einen eigenen Drink kreieren und live vor einer Jury mixen. Die Prüfer waren in diesem Jahr Kent Steinbach (http://www.mojitos.net/), Maren Meyer (Sierra Madre), Eric Bergmann (http://www.drinks-and-entertainment.de/) und Mike Meinke (Brand Ambassador von Diageo http://www.diageo.com/).

 Zur Herstellung des eigenen Cocktails dürfen alle erdenklichen Zutaten und Techniken verwendet werden – was übrigens eine Besonderheit ist, denn bei nahezu allen anderen bekannten Cocktailwettbewerben gibt es ein festgelegtes Portfolio und bestimmte Anforderungen an den Drink, die penibel zu erfüllen sind. Danach muss noch ein Fachreferat zu einem zugeteilten Thema vorbereitet und ein schriftlicher Test bewältigt werden. Der abschließende Pouring- und Nosing-Test fand direkt im Frankfurter Hauptbahnhof statt. Darüber hinaus spielt auch die Sozialkompetenz eines jeden Teilnehmers über den gesamten Zeitraum der DBU-Juniorakademie eine gewichtige Rolle.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Juniorakademie fand in diesem Jahr auch eine so genannte Market Challenge statt. Für diese Spezialaufgabe erhielt jeder Teilnehmer ein Budget von 15 Euro und eine Auswahl an Basisspirituosen. Mit diesen begrenzten Mitteln und etwas kreativer Energie mussten in wenigen Stunden die Zutaten für einen komplett neuen Drink eingekauft werden, der anschließend vor der Jury in der 4Flair Barschule (http://www.4flair.de/) in Frankfurt präsentiert wurde.

Für das Rahmenprogramm der 10. DBU-Juniorakademie haben Partnerfirmen interessante Vorträge vorbereitet. Helmut Knöpfle von Campari Deutschland etwa absolvierte mit allen Teilnehmern eine umfangreiche Sensorikschulung, und Emanuele Ingusci (Brand Ambassador Disaronno), Nils Boese (Global Brand Ambassador Jägermeister), Ewald J. Stromer (Brand Ambassador Bruichladdich & the Botanist) hielten diverse Fachvorträge.

10. Juniorakademie der Deutschen Barkeeper Union e.V. 2In diesem Jahr durfte ich für die Sektion Niedersachsen antreten. Meine Cocktail-Komposition habe ich „Irish Cup“ getauft: ein herber Mix aus Teeling Irish Whiskey, hausgemachtem Guinness-Sirup, gelagertem Apfelbalsamico, frischem Zitronensaft, Adam Elmegirab’s Teapot Bitters und Apfelholzrauch, der während dieser kühlen Vorweihnachtszeit Magen und Seele wohlig wärmt.
Und mein Referat beschäftige sich mit dem – wie ich finde – buchstäblich
brandaktuellem Thema „Brände und Geiste – nur purer Genuss!“.

Am Ende der fünf Tage ernannte Sascha Thieben (Beirat der Juniorbarkeeper und Barkeeper im Deck20 http://www.deck20-bar.de/) mich als Gesamtsieger der
10. Juniorakademie. Ich darf mich nicht nur über einen schönen Pokal freuen,
sondern auch auf ein einwöchiges Praktikum bei dem Glashersteller Schott Zwiesel
und in der Schumanns Bar in München. Den zweiten Platz belegte übrigens
Laura-Josephin Wolf (Hotel am Schloss in Fulda), für den dritten Platz konnte
sich Christian Haller (Mövenpick Hotel Frankfurt City) qualifizieren.

Mein Fazit zur 10. Juniorakademie: jeder Juniorbarkeeper sollte diese einmalige Chance nutzen und an diesem renommierten Wettbewerb teilnehmen. Neben der Vermittlung von unglaublich viel Wissen kann man hier auch sehr viele Kontakte zu anderen Barkeepern knüpfen, sich fachlich austauschen und vielleicht sogar selbst neue Akzente setzen.