Auf ein Bier, Freunde!


Liebe Biertrinker, ich habe mir mal ein paar Gedanken gemacht über das
gute alte deutsche Reinheitsgebot und unser Trinkverhalten, wenn es
um unser aller liebstes Getränk geht: Bier.

Ein Beitrag von Dipl. Braumeister Günther Thömmes in dem von mir ja bereits vorgestellten Buch „Cocktailian3- Bier & Craftbeer“ hat mich dazu bewegt. Laut Günther Thömmes haben Umfragen wohl bestätigt, dass die deutschen Biertrinker
zu den konservativsten der Welt gehören: mehrheitlich bevorzugen wir angeblich nur eine einzige Biermarke und sind auch nicht bereit, sie zu wechseln. Ich kenne diese Umfragen zwar nicht, aber ich kenne meinen Opa Willi – und der zählt genau zu diesen „konservativen“ Biertrinkern. Wie übrigens auch viele meiner Gäste, Freunde, Bekannten und Verwandten. Sicher kennen auch Sie den einen oder anderen,
der auch dazu gehört – vielleicht sogar Sie selbst.

Nach Günther Thömmes besteht der gesamte deutsche Biermarkt zu rund
90 Prozent aus Pils, Export/Hell und Weizenbier. Weit abgeschlagen und regelrechte Minderheiten beim bundesdeutschen Bierkonsum sind Alt, Kölsch, Schwarzbier
und Berliner Weisse. Biermischgetränke und alkoholfreie Biere sind mit
knapp 2% zwar etwas umsatzstärker, sie bereichern aber nicht wirklich
die weltbekannte Biervielfalt hierzulande, oder?

Bier – dieses tolle Getränk, das sich ganz grob in die Kategorien „Obergärig“ und „Untergärig“ einordnen lässt, wird in jüngster Zeit vollkommen neu entdeckt und erfährt einen unglaublichen Imagewandel durch Craft Beer: bei den angesehenen internationalen Bierwettbewerben wie beispielsweise dem World Beer Cup in den USA, den World Beer Awards in London oder dem European Beer Star in Nürnberg werden in mehr als 90 Bierstilen Preise vergeben!

Aber zurück zum Anfang der Bier-Geschichte. Das deutsche Reinheitsgebot
(um das uns ja alle Welt beneidet) gibt es seit 1516, und es wurde seitdem nicht verändert. Oder vielleicht doch? Wenn man sich etwas näher mit dem
Reinheitsgebot beschäftigt, stellt sich schnell heraus, dass das so hoch gelobte Reinheitsgebot uns tatsächlich nur als Schutzbestimmung verkauft wird.
Seit bald einem halben Jahrtausend darf Bier laut Reinheitsgebot nur vier Rohstoffe beinhalten: Malz, Wasser, Hopfen und Hefe (Im originalen Reinheitsgebot von 1516 war von Hefe übrigens noch gar keine Rede!)

Heute nennt sich dieses Reinheitsgebot ganz bürokratisch „Bierverordnung“
und die gilt in Deutschland für die Herstellung von untergärigem Bier. Wie bei jeder Verordnung und jedem Gesetz gibt es zu den Regeln jede Menge Ausnahmen –
wie etwa die Zugabe von Weizenmalz, Invertzucker, Stärkezucker oder
aus Zucker hergestellte Färbemittel und vieles mehr.

Bei obergärigem Bier ist die Verordnung noch etwas liberaler. Trinkwasser jedoch darf nicht ohne weiteres zugemischt werden, dass würde den Finanzminister irritieren. Ja, den Finanzminister! Denn der Finanzminister (und nicht der Landwirtschafts- oder Gesundheitsminister) ist von Seiten der Regierung zuständig für das Reinheitsgebot! Darüber hinaus sind Polymere (die natürlichen Ursprungs, aber auch künstlich sein können und auch zur Herstellung von Polyester benutzt werden) zur Bierklärung zugelassen. Naturprodukte wie pflanzliche Tannine (also biologische Gerbstoffe die auch bei der Herstellung von Wein Verwendung finden) wiederum nicht.

Ich denke, das sollten ein paar gewichtige Argumente sein, um das fast 500 Jahre alte Reinheitsgebot mal etwas auf den neuesten Stand zu bringen. Zudem sollte und müsste man von Rechtswegen sich eigentlich viel intensiver mit „Craft-Beer“ beschäftigen: was anfangs von vielen Experten nur als Szene- oder Trendgetränk belächelt wurde und auf dem deutschen Biermarkt für Furore sorgte, hat sich mittlerweile zu einem rapide anwachsenden Segment im weltweiten Biermarkt entwickelt! Ich jedenfalls habe ein Auge auf diese spannende Revolution in der Bier-Welt und werde in Zukunft einige Biere aus genau diesem Segment
in meinem Blog vorstellen. In diesem Sinne: Prost!

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